122 Jakob von Artevelde.
urtheilen müßt, indem Eure Anſichten unendlich von den unſrigen abweichen.— Ich habe mich geirrt; es thut mir ſehr leid.— Oberhauptmann! Ihr ſeid auf mein Ritterwort gekommen, geht eben ſo ungehindert wieder fort, und gebe der Himmel Euch beſſere Gedanken!“
Artevelde verbeugte ſich ehrfurchtsvoll und ant⸗ wortete:
„Ich danke Cuch, gnädiger Herr, für Eure Güte. Auch mir hatte dieſe feierliche Audienz eine lockende Hoff⸗ nung eingeflößt. Ach! ich muß dieſes wohlthätige Ge⸗ fühl für immer aufgeben. Es ſei! Was mich betrifft, ſo werde ich ohne Furcht noch Rückſicht mein Leben der Größe meines Vaterlandes widmen, und mit Got⸗ tes Hülfe vollbringen, was ich der Gemeine gelobt habe. Glück und Friede, Herr Graf!“
Nach dieſen Worten folgte der Oberhauptmann dem Höfling, welcher auf den Ruf des Grafen in den Saal trat, und befand ſich gleich darauf wieder außerhalb des Steens auf dem Veerleplatze. Er ward auf dem Frei⸗ tagsmarkte von den dort wartenden Zunftgenoſſen mit anhaltendem Jubel begrüßt; allein er dankte der Menge nur durch ein Zeichen mit der Hand und begab ſich, von ſeiner Wache begleitet, mit raſchen Schritten nach ſei⸗ ner Wohnung..
Ende des zweiten Bandes.
Vlän


