74 Jakob von Artevelde.
den Städten ſtrahlen, wie eine prächtige Sonne; und wenn man von Freiheit und von Volksmacht ſpricht, wird man ehrfurchtsvoll auf unſere Vaterſtadt zeigen, als auf den Ort, wo vlämiſcher Löwenmuth und ächte Volksmacht weilt..... Heil Gent! Freiheit und Nah⸗ rung! Flandern den Löwen!“
Mit dieſem Rufe endete Artevelde ſeine Rede. Ein
verwirrtes Jauchzen, ein ungeheures Siegsgeſchrei ſtieg aus dem Lager gen Himmel empor. Man ſprang vor Freude; man umarmte ſich einander; man vergoß Thrä⸗ nen der Rührung; denn jeder begriff die Bedeutung die⸗ ſes Friedens, durch welchen Frankreich ſeine übermüthi⸗ gen Forderungen fahren ließ, und der Graf von Flan⸗ dern zu Allem, was die Genter gethan hatten, ſeine volle Zuſtimmung gab. Sie waren alſo mehr als je frei, und obendrein durch die Macht, Bündniſſe zu ſchließen, ganz von Frankreichs nachtheiligem Einfluſſe erlöſt.
Das Jubeln würde noch lange kein Ende gefunden haben, hätte der Trompeter nicht wieder geblaſen, um die Aufmerkſamkeit des Heeres zu wecken. Sobald die Stille wieder hergeſtellt war, erſchien Auguſtyn auf dem Sturmbocke, und rief dem Lager zu:
„Von wegen der Obrigkeit der Stadt Gent! Ge⸗ ſellen, es muß heute ein fröhlicher Tag ſein, um unſe⸗ ren Sieg und die Rückkehr unſeres Grafen zu feiern. Die Hundertmänner ſollen ſogleich zu den Wagen ge⸗ rufen werden, um Wein zu empfangen. Jeder Geſelle erhält eine doppelte Maaß nebſt zwei Tagen Sold als Friedensgeſchenk. Des Königs Bote begiebt ſich nach der
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