——
200
er dieſe traurige Nacht überſtanden und was für ſchreckliche Dinge er geſehen hatte. Er beklagte es, Natten⸗Haesdonk verlaſſen zu haben, und ſprach mit ſo viel Begeiſterung von ſeinem Geburtsdorfe, von ſeinen fetten Weiden, und von der Ruhe und Freude, welche man dort genoß, ohne Mörder, Geſpenſter oder Wilde fürchten zu müſſen, daß der Mauleſel, hätte er ihn verſtehen können, ſicher gedacht haben würde, Natten⸗Haesdonk müſſe in einem irdiſchen Paradieſe gelegen ſein. Um ſich ſelbſt zu tröſten, ſuchte er dem Thiere Muth einzuſprechen und das Glück, mit Aennchen einmal auf einem Schloß zu wohnen, vor ſeinen Augen in glänzenden Farben auszumalen.... Aber mitten in deſſen verlockender Rede fühlte der Mauleſel ſich von einer Fliege geſtochen und gab aus Mißverſtändniß ſeinem Begleiter einen ſo heftigen Stoß, daß der arme Kwik jählings zu Boden ſtürzte.
Donatus mußte ein ſehr zähes Leben haben, denn eehe die Andern Zeit hatten, um ihm zu Hülfe zu kommen, war er bereits wieder aufgeſprungen und hatte ſeinen Platz neben dem Laſtthiere eingenommen.
Dieſer kleine Vorfall hatte alſo die Reiſe nicht unterbrochen. Donatus hielt dem Mauleſel eine end⸗ loſe Predigt über die Freundſchaft, die Dankbarkeit, den Gehorſam, wozu ein Eſel ſeinem Herrn oder Treiber, wenn dieſer ihn mit Sanftmuth behandelt, verpflichtet iſt. Er war eben damit beſchäftigt, ihm zum Vorbild alle die guten Eigenſchaften von Häns⸗ chen in Natten⸗Haesdonk aufzuzählen, als der Brüſ⸗ ſeler plötzlich ſtehen blieb und ausrief:
„Die Gewehre zur Hand, meine Herrn! Viele Männer vor uns!“
—
9
0 Gn


