Druckschrift 
Der Geldteufel : Gemälde aus unserer Zeit / von Hendrik Conscience. Aus dem Fläm. von C. Büchele
Entstehung
Einzelbild herunterladen

„Nun, fahre fort, Laura. Der Vorwurf iſt wohl ſonderbar für einen jungen Dichter, der die Welt noch nicht kennt, aber die Verſe ſind doch gefühlvoll und ſchön... Komm, ich will ſie ſelbſt leſen.“

Halb lachend und ſcheinbar ganz unbewegt, nahm Kemenaer den unterbrochenen Faden auf, und da das Gedicht ihm kräftig und ausdrucksvoll ſchien, gab er ſelbſt ſeinem Vortrag mehr Schwung.

Ein lebendes Gerippe nur, ein Schatten wohnt darinnen,

An dem die Sünde ausgeprägt, erkennbar allen Sinnen,

Und ſucht vergeblich nach dem Heil für ſich im Arm der Pracht,

Am Morgen hat der Schlummer ihm Erholung nicht gebracht.

Er weiß ſich für den Reſt des Tages die Zeit nicht zu vertreiben

Und ſieht von Allem rings herum ſich den Verdruß nur bleiben.

Umſonſt daß jeden Schatz die Welt vor ſeinem Angeſicht,

Ihr Wunderhorn die Kunſt enthüllt— er ſieht, er

— merkt es nicht.

Er ſieht die Ornamente nicht an ſeinen Marmorgängen

An ſeinen breiten Wänden nicht die Prachttapete hängen,

Nicht ſeinen Mahagony⸗Flur mit Bildwerk ausſtaffirt,

Nicht die Gardinen überreich mit ſeidnem Schnee geziert,

Selbſt nicht die Perlen edler Kunſt, ans Tageslicht ge⸗ zogen

Verfeinte Wolluſt nur im Aug', mit Golde aufgewogen.

So laſtet Ueberdruß auf ihm den ganzen langen Tag*)

*) Der Reim von Tag und Ach findet ſich im Original ſelbſt. A. d. Ueberſ.