der Sorge oder Beängſtigung. Während Herr Kemenger unbeweglich auf der Gartenbank ſaß, öffnete ſich die Thüre ſeiner Wohnung und ein junges Mädchen ſprang in den Garten. Nach einigen leichten Schritten, um unter die nächſten Blumengeſträuche zu gelangen, ſchaute ſie mit froher Bewunderung umher. Ein Schimmer dich⸗ teriſcher Aufregung funkelte in ihrem Auge, ein ſtilles Lächeln ſpielte um ihre Lippen, und ſie ſog die friſche Morgenluft mit ſo mächtigen Zügen in die Bruſt, daß ihr Buſen ſichtbar ſich hob und ſenkte ... kaum aber konnte ſie den Eindruck des ſchönen Tags empfangen haben, als ſie den begeiſterten Blick zum Himmel erhob, die Hände zuſammenllegte und einſtimmig mit Allem, was um ſie herum war, ein inniges Dankgebet zu Gott emporſandte. Achtzehnmal hatte die Frühlingsſonne das ju⸗ gendliche Haupt von Laura Kemenaer beſchienen. Schlank und fein geſchnitten war ihre jungfräuliche Geſtalt, ſüß und ſchön ihr Angeſicht. Jedoch nicht ſchön durch die ſeelenloſe Regelmäßigkeit, die man als die körperliche Vollkommenheit der Frau zu rüh⸗ men pflegt; nein, ihre Stirne mochte wohl etwas zu hoch ſein; ihr Mund ließ wohl um gewiſſer Neben⸗ linien willen zu viel Gefühl, zu viel Schwärmerei vermuthen; ihre leichtgebogene Naſe konnte wohl zu viel Ausdruck haben;— aber ihre Stirne war ſo lilienweiß, ihre Wange ſo zart berost, ihr Auge ſo himmelblau, ihr Lächeln ſo ſüß und ſo voll Leben! Die gefällige Würde ihrer Haltung, ihre einfache, doch reiche Kleidung, und vornehmlich der Duft der
an: traurig, kalt und kummervoll, gleich einem Bilde
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