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Der Geizhals / von Hendrik Conscience. Aus d. Fläm. von O. L. B. Wolff
Entstehung
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er darauf zeigte:„Sieh, Thys, haſt Du kein Mitleiden mit mir? Sieh, ich bin ein Gerippe!“

„Nun, nun,“ antwortete der Andere,„bedeckt Euren Arm! Was ſoll das? Wer hat mehr Mitleiden mit Euch, als ich? Aber die Krankheit macht Euch toll. Sollte man nicht glauben, Ihr müßtet ſterben?“

„Bin ich nicht krank genug?“

„Ja, krank ſeid Ihr; aber nicht ſo gefährlich, als Ihr glaubt. Ihr ſeid noch ſtark, Jan⸗Ohm. Die Magern neben am längſten: wenn Ihr nicht kränker werdet, hat es Nichts zu bedeuten.“

„Möchteſt Du die Wahrheit ſagen, Thys!“

Eine kurze Pauſe folgte auf dieſen verzweifelten Wunſch. „O, ich habe ſo großen Hunger!“ ſeufzte der Greis.

„Nun, ſo eßt!“ antwortete Thys, indem er die ſchwarze Brotkruſte dem Kranken in die Hand gab.

Während dieſer an dem trockenen Biſſen nagte, ſprach er:

„Thys, ich möchte wohl etwas anderes eſſen; das Brot iſt ſo geſchmacklos, wie Sand.“

„Nun, was wollt Ihr eſſen? In dem Buch ſtehen noch viele andere Kräuter, die man verſuchen kann.“

„Nein, Fleiſch, Fleiſchſuppe. O das muß gut ſein! Ich zittere, wenn ich daran denke.“

Thys' Geſicht verzog ſich mißmuthig. Er bezwang ſich jedoch und antwortete:

„Fleiſch? Fleiſchſuppe? Das müßte Eure Krank⸗ heit beſchleunigen und Euch augenblicklich tödten. Ihr, der Ihr's in vielen Jahren nicht verſucht!“

„Doch, doch! Thys, um Gottes Willen, gib mir Fleiſch!“ 5 „Nun, Ihr ſeid Euer eigner Herr, gebt nur Geld her; und wär es auch Euer Tod, Ihr ſeid mein Zeuge, daß ich keinen Theil an dieſem unvorſichtigen Gelüſte abe.“