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Der arme Edelmann / von Hendrik Conscience. Aus dem Vläm. von Dr. Hans Wachenhusen
Entstehung
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Seele dahinſchwinden, ohne daß mir die Welt Anderes als Schimpf und Verachtung zollen wird!— Und dennoch habe ich Euer Wappen noch nicht entehrt; was ich that, iſt brav und tugendhaft vor Gott; die Quelle meines Unglücks iſt Edelmuth, Barmherzigkeit und Liebe... Ja, ja, richtet Eure glänzenden Augen auf mich, ſchaut mich an, der ich hier in den Schlund der Armuth verſunken da liege! Aus der Tiefe meiner Erniedrigung mag ich ſtolz das Haupt zu Euch erheben, das Auge nicht niederſchlagen vor Eurem Blick! Hier in Eurer Gegenwart bin ich allein mit meiner Seele, mit meinem Gewiſſen, hier trifft keine Schande denjenigen, der als Edelmann, als Chriſt, als Bruder und als Vater ſeine Leiden erträgt, weil er ſeine Pflicht gethan!

Herr von Vlierbeke war ganz von Begeiſterung hingeriſſen; er ging mit langen Schritten an der Wand auf und ab, und erhob in Verzückung ſeine Hände zu den Bildniſſen ſeiner Vorfahren.

In dieſer ſeiner Haltung lag etwas Majeſtätiſches; das Haupt ſtolz erhoben, hatte ſein Weſen etwas Gebiete⸗ riſches, ſeine ſchwarzen Augen glänzten in der Dunkelheit, ſein Antlitz ſtrahlte vor Würde.

Plötzlich blieb er ſtehen und legte die Hand an ſeine Stirn.

»Armer, ſinnloſer Menſch!? murmelte er mit trübem Lä⸗ cheln.„Deine Seele ſucht ſich Luft zu machen; ſie bricht die ſchmählichen Bande deiner Erniedrigung— und träumt... Ja, es iſt kein Gaukelbild!“ ſetzte er die Hände faltend mit gegen Himmel gerichteten Blick hinzu,„und doch danke ich Dir, langmüthiger Gott, daß Du den Quell von Muth und Geduld in meine Seele fließen ließeſt!... Genug! Da ſteht wieder die Wirklichkeit vor meinen Augen— ſie Der arme Edelmann.