Teil eines Werkes 
2. Th. (1870)
Entstehung
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Dieſes Gemach war verhältnißmäßig geräumig genug, aber gleichfalls ſehr niedrig. Kahle, weiß ſein ſollende Wände zeigten ſich, an denen als ganz beſonderer Luxus ein Spiegel und einige Heiligenbilder hingen, die ſich wohl genug wundern mochten, wie ſie in das Haus eines Juden kamen, der den Schutz dieſer Hei⸗ ligen denn doch nicht beanſpruchte.— Vielleicht aber waren ſie be⸗ ſtimmt, den in dieſem Gemache einquartierten Reiſenden ganz be⸗ ſonderes Vertrauen einzuflößen und ihnen Schutz zu gewähren.

Zwei kleine Fenſter durchbrachen die Wand und hier zeigte ſich wieder ein für eine litthauiſche Waldſchänke ganz beſonderer Luxus: es waren ein paar Stücke bunten Zeuges als Vorhänge an dieſen Fenſtern angebracht.

Drei Bettſtellen waren in dem Zimmer aufgeſtellt, doch nur mit Strohſäcken und Decken verſehen, die bei näherer Betrachtung nicht eben beſonders reinlich ſich erwieſen.

Ein Tiſch, ein paar Bänke und Schemel vollendeten die Aus⸗ ſtattung der Herrſchaftsſtube, die übrigens noch mit einem gemau⸗ erten Ofen ausgeſtattet war, der bereits eine leidliche Wärme zeigte, und an dem jetzt die Magd eifrig beſchäftigt war, ein lebhaftes Feuer anzufachen.

Das Zimmer hatte noch einen Bretterverſchlag, hinter welchem noch zwei Bettſtellen ſtanden, die etwas mehr Bequemlichkeit boten, als die im Zimmer ſtehenden, da ſie ein paar alte, lederne Polſter aufzuweiſen hatten.

Der immer höfliche und dehmüthige Wirth fragte nach den weiteren Bedürfniſſen der Reiſenden, doch hatten dieſelben keine mehr, da die Vorräthe zur Abendmahlzeit im Schlitten mitgeführt waren, und ſo ging der Krüger wieder zu ſeinen anderen Gäſten.

Kaum war er fort und hatte ſich auch die Magd entfernt, als Eugenie ſich an Girard mit der Frage wendete: ob er glaube, daß ſie wirklich hier ganz ſicher wären?

„Wenigſtens ſicherer als im Freien,“ entgegnete Girard, „Wenn uns Gefahr droht, iſt es von Seiten des Juden allein.“

„Wie das?“ fragte Eugenie haſtig.„Haben Sie etwas be⸗ merkt?“

„Ach ja,“ antwortete Girard lachend.„Ich habe bemerkt, daß der Jude ein Jude iſt und da ſind wir allerdings ſehr in

Monte⸗Chriſto's letzter Weltgang. 28