————
2 265
So mächtig war dieſe Befürchtung bei Fano geworden, daß er es verſuchte, ſich dem ihm nach ſeiner Anſicht drohenden Schickſale durch die Flucht zu entziehen, wozu ihm freilich alle Kraft fehlte, denn er hatte ſich nur eine kurze Strecke fortſchleppen können.
Als Matteo zurückkehrte, wähnte Fano erſt, daß Gensd'armen kämen, und Matteo nicht ſofort erkennend, brach er in die wildeſten Flüche aus und drohte Jedem, der ihm nahen würde, mit Ver⸗ derben, obgleich er keine Waffen, nicht einmal ein Meſſer bei der Hand hatte und er nicht einmal die Kraft beſeſſen hätte, eine Waffe zu führen.
Matteo erkannte wohl, daß Fano in der Fieberhitze ſprach, und ſuchte ihn zu beruhigen, was ihm aber nur ſchwer gelang.
Das Kind war unterdeſſen gänzlich zum Leben erwacht, doch mochte es eben ſo viel Hunger, als Schmerzen empfinden, denn es klagte und wimmerte, ward aber ruhiger, als Matteo ihm Milch zu trinken gegeben.
Dagegen ſchien ſich Fano's Zuſtand zu verſchlimmern, denn Matteo fühlte, daß deſſen Geſicht heiß glühte und daß heißer Athem ihm aus Fano's Munde entgegen wehte, und ſo war es ihm er⸗ klärlich, daß der Verwundete ſo häufig irre redete.
In dieſen Phantaſieen ſprach Fano ſtets von dem Kinde, das ihm überliefert worden; dann von Gensd'armen, von Kugeln, die ihn träfen, von Flammen, die ihn verzehren wollten. Dabei ward ſeine Stimme ſo oft ſtockend, der Athem ſchien ihm häufig und häufiger zu verſagen und wie es Matteo vorkam, ging der Athem bisweilen in Röcheln über.
Matteo wurde dabei zuletzt bange, als er ſo einſam mit Fano und dem Kinde hier in der Nacht weilte, und er ſehnte ſich danach, daß noch Jemand herbeikomme, der ihm helfe, den Verwundeten zu
beruhigen und nach einem ſicheren Zufluchtsorte zu bringen.
Wenigſtens Tag hätte es ſein mögen, denn Matteo hoffte, daß
die Stunden des Tages nicht ſo endlos langſam vorübergehen wür⸗
den, wie die Nachtſtunden; auch konnte er dann ja deutlich ſehen, wie es eigentlich um Fano ſtand und wie deſſen Wunde eigentlich beſchaffen war.
Matteo verſuchte es einige Male, von Fano Auskunft über das Kind zu erhalten, und ganz beſonders war er neugierig, zu


