Fünßehntes Kapitel. Unter den Brigantis.
Unterdeſſen war der Reiſewagen Alberts von Morcerf mit ſeinen Inſaſſen ſchnell den Hügel hinabgerollt, ſah ſich aber bald genöthigt, langſamer zu fahren, da der Weg ſteiniger und ſchlechter wurde.— Da dieſe Straße nicht allzuviel Verkehr hatte, ſo hatte man ſich eben auch nicht viel um die Unterhaltung derſelben in fahrbarem
Suſtande bekümmert.
Albert und die beiden Damen waren indeſſen von der ſo eben gehabten Begegnung ſo ergriffen und ſo ganz in Anſpruch genom⸗ men, daß ſie von dem ſchlechten Wege wenig merkten; nur wenn der Wagen gar zu arg ſtieß, entfuhr wohl den Damen ein Seufzer ob ſolchen Beſchwerden.
„Es iſt doch ein merkwürdiger Zufall, daß wir dieſen Hirten hier treffen mußten, während wir zu Fuße gingen,“ ſagte Marja. „Wären wir im Wagen geweſen, ſo würden wir an ihm vorbei⸗ gefahren ſein, ohne ihn zu beachten.“
„Es giebt eigentlich keinen Zufall, Marja,“ entgegnete Albert, „es iſt vielmehr Alles Vorherbeſtimmung. Mir iſt in meinem Leben ſo Vieles begegnet, was man für gewöhnlich als Zufall bezeichnet, das aber doch eine ſo merkwürdige Verkettung hatte, daß ich daſſelbe nur Vorherbeſtimmung einer höheren Macht nennen kann, die Alles auf's Genaueſte vorher berechnet hat, ſo daß Alles ineinander greifen mußte, wie das Räderwerk einer Maſchine, und nichts von dem vorgezeichneten Wege abweichen durfte.“
„Laſſen wir das jetzt,“ nahm Eugenie das Wort.„Zufall oder Vorherbeſtimmung, iſt ganz gleich.— Ich glaube feſt, daß wir den Sohn des Grafen Monte Chriſto gefunden.“
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