Gewiß, daß ſein Sohn ſich in der Gegend befinden müſſe, eilte Monte Chriſto nach Arpino, zeigte dem Polizeibeamten ſeine Vollmachten und forderte ihn auf, ihm Mittel zu verſchaffen, ent⸗ weder den Hauptmann Franzesko Fano ſelbſt, oder doch einige ſeiner Leute in die Hände zu bekommen.
Der Polizeidirector, von dem Grafen und dem Agenten aus Neapel beſtürmt, ward ziemlich verlegen und verſicherte, wenn es in ſeiner Macht geſtanden, würde ſchon längſt kein Franzesko Fano mehr exiſtirt haben, es ließe ſich aber wenig thun, denn das Ban⸗ ditenweſen ſei zu ausgebreitet, und man könne nie wiſſen, ob Der oder Jener, dem man begegne, ein Glied der Bande oder ein Ver⸗ trauter derſelben ſei; frage man Jemand, ſo müſſe man ſtets be⸗ fürchten, daß dieſe Frage die Urſache von der Vereitelung des beſt⸗ angelegten Planes werde; dem Zufalle allein müſſe man überlaſſen, wenn Etwas geſchehen ſolle.
„Sie machen hier ein ſehr trauriges Geſtändniß, Herr,“ ſagte der Graf unzufrieden.„Ich kann aber nicht darauf warten, bis es dem Zufalle gefällig ſein wird, zu meinen Gunſten einzutreten.— Sollte nicht auch Gold die Rolle des Zufalls ſpielen?— Mir kommt es auf einige Tauſend nicht an, wenn ich nur meinen Zweck erreiche.“
Neues Achſelzucken war die Antwort; der Graf erreichte nichts weiter und entfernte ſich mißmuthig.
Als er in den von ihm bewohnten Gaſthofe zurückgekommen war, ließ ſich ein Mann bei ihm melden, und ſofort trat einer der unteren Polizeibeamten, die der Graf in dem Vorzimmer des Direc⸗ tors geſehen, bei ihm ein.
Der Mann that anfangs ziemlich verlegen und machte einige Umſchweife, als der Graf ihn nach der Urſache ſeines Beſuches fragte, allein endlich trat er doch mit ſeiner Abſicht vor, indem er Winke darüber fallen ließ, er wiſſe von der Unterhaltung mit dem Polizeichef.
„Leicht wäre es möglich, daß Gold Wunder wirkte,“ ſagte er. Aber es müßte eine hohe Summe ſein, denn mit den fünfhundert Ducato, welche die Regierung ausgeſetzt, iſt nichts gethan, dafür trägt Niemand ſeine Haut zu Markte.“
„Wenn ich aber eben ſo viel Tauſend biete?“ fragte Monte Chriſto.„


