9
Benedetto fing ſogleich die Unterredung an und lenkte dieſes Mal das Geſpräch geſchickt auf die perſönliche Lage des Schließers. Der Mann war, wie Millionen andere Leute auch, mit ſeiner Lage 1 nichts weniger als zufrieden, klagte über Begründetes und Unbe⸗ gründetes, und wünſchte ſich Verbeſſerung, wozu aber keine Ausſicht ſei, denn er werde ſein Leben lang Schließer bleiben, wie er es geſtern geweſen und heute noch ſei.
„Du ſollſt nicht ſo klagen, alter Kettenhund,“ ſagte Benedetto.
„Bedenke doch erſt unſere Lage, die wir in dieſen Wänden ein⸗ geſchloſſen ſind, aus denen man uns nur führt, um ſchwere Arbeiten zu verrichten, die kein anderer Arbeiter um Geld und gute Worte verrichten mag, weil ſie den Körper aufreiben.— Würdeſt Du mit uns tauſchen?“
„Danke ſchönſtens,“ brummte der Schließer.
„Siehſt Du nun, daß Du gegen uns lebſt wie ein König!— Und du biſt auch ein kleiner König.“
„Wie meinſt Du das?“
„Weil Du die Macht haſt, den oder jenen Gefangenen zu be⸗ gnadigen, das heißt, ihm zur Freiheit zu verhelfen.“
„Was ſchwatzeſt Du da?— Das iſt Sache der Regierung.“
„Ein vernünftiger Menſch kann dergleichen auch hinter dem Rücken der Behörden unternehmen und ſo jene Herren aus mancher argen Verlegenheit befreien.— Du klagſt ſo ſehr über Deine Lage.— Wie nun, wenn Dir zum Beiſpiel ein Paar Tauſend Francs geboten würden, wogegen Du einen kleinen Gegendienſt zu leiſten hätteſt, dann wäre Dir doch geholfen.“
„Woraus beſtände dieſer kleine Gegendienſt?“
„Beiſpielsweiſe geſagt, indem Du mich und meinen Gefährten Pierre befreiſt.“
Du willſſt mich verſuchen, Kerl!“
„Nein, ich will vielmehr Dein Glück machen, Mann. Höre mich an: ich weiß, Du kannſt uns befreien, wenn Du nur willſt, und mein Vater würde Dir dieſen Dienſt hoch belohnen. Er iſt reich ge⸗
nug dazu.— Jetzt iſt er krank, ſehnt ſich nach ſeinem Sohne, und wenn Du ihm denſelben bringſt, würde er Deinen Dienſt doppelt belohnen.“
„Solche Lieder kennen wir, mein Junge,“ ſagte der Schließer
lachend.„Nun, wie heißt denn Dein Vater?“
—
————


