Teil eines Werkes 
6 (1870)
Entstehung
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Zugleich ſchien der Graf noch größer zu werden, ſein majeſtä⸗ tiſcher Schatten zeichnete ſich auf dem rothen Hintergrunde ab, er hatte ſein ſchönes ſchwarzes Haar zurückgeworfen, und glich, ſtolz und erhaben, einem jener Engel, mit denen man die Böſen für den

Tag des letzten Gerichts bedroht.

Meorrel drehte ſich betäubt und ermattet auf ſeinem Stuhl um, ſanfter Schlaf bemächtigte ſich all' ſeiner Glieder. Ein Wechſel der Gedanken belebte ſeine Stirn, Alles an ihm ruhte, nur die⸗ ſer Traum war wach, es ſchien ihm, als eile er mit vollem Segel jenem ungewiſſen Delirium entgegen, das dem unergründeten Ge⸗ heimniß, dem Tode voran geht.

Noch einmal verſuchte er ſeinem Erretter vom Leiden die Hand⸗

zu reichen, Sie war ſchon ſteif, ein letztes erhabenes Lebewohl zu flüſtern, ſeine Stimme ſchwieg.

Seine Augen ſchloſſen ſich wider ſeinen Willen, aber hinter den Lidern derſelben erſchien ein Bild, welches er ungeachtet der Finſterniß erkannte, von der er ſich umgeben glaubte.

Der Graf öffnete eine Thür.

Augenblicklich durchfluthete eine unermeßliche Klarheit, die aus dem prachtolen Nebenzimmer drang, den Saal, in welchem Mor⸗ rel ruhte.

Auf den Grenzen beider Zimmer erſchien eine bewunderns⸗

würdig ſchöne Frau.

Bleich, aber ſanft lächelnd, ſchien ſie der Engel des Erbar⸗

mens, der den Engel der Rache um Gnade fleht.

Oeffnet ſich mir ſchon der Himmel, dachte der Sterbende, dieſer Engel gleicht dem, den ich verloren...

9 Mit gefalteten Händen, und ſelig lächelnd, trat die Erſcheinung

näher. 3 Valentine... Valentine... rief Morrel im Grunde ſeines Herzens. 3 Aber ſein Mund vermochte keinen Ton mehr hervorzubringen, und als hätten ſich alle ſeine Kräfte in dieſer innern Bewegung vereinigt, ſtieß er einen Seufzer aus und ſchloß die Augen.

Valentine ſtürzte auf ihn zu.

Morrels Lippen machten noch eine Bewegung.

Er ruft Sie, ſagte der Graf,er ruft Sie aus der Tiefe

ſeines Schlummers... Sie haben ihm Ihr Schickſal anvertraut,

der Tod wollte ſie trennen! aber ich war glücklicherweiſe da, und beſiegte den Tod! Valentine, Sie werden ſich nicht mehr trennen, Sie haben ſich wiedergefunden.... Er ſtürzte ſich für Sie in den Tod ....ohne mich ſtarben Sie Beide, ich habe Sie einander wieder⸗ gegeben... möge Gott mir ihr beiderſeitiges Leben anrechnen!

Valentine ergriff die Hand des Grafen, und führte dieſelbe in einer Aufwallung begeiſterter Freude an ihre Lippen. 4 O danken Sie mir, danken Sie mir, ſprach Monte⸗Chriſto,

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