Teil eines Werkes 
6 (1870)
Entstehung
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werth halte, nein, ich liebe Niemand, das wiſſen Sie ſehr wohl,

nicht wahr, mein Herr? Weßhalb ſoll ich alſo mein ganzes Leben

an der Seite eines Gefährten vertrauern? Nun wohl mein Vater, im Schiffbruch des Lebens, denn es iſt ein ſteter Schiffbruch unſrer Hoffnungen, werfe ich meine unnütze Bagage in das Meer, und behalte nur meinen Willen, allein, folglich alſo auch frei zu leben!“

„Unglückliche! Unglückliche,“ murmelte der Banquier, denn er

kannte aus Erfahrung ſeiner Tochter feſte, unbeugſame Grundſätze.

„Unglücklich ſagen Sie?“ rief Eugenie.„Wahrhaftig nein,

dieſer Ausdruck klingt ganz theatraliſch und affectirt. Im Gegen⸗ theil, glücklich, denn ich frage Sie, was fehlt mir? Die Welt fin⸗ det mich ſchön, das trägt zu einer günſtigen Aufnahme bei, und ich liebe eine gute Aufnahme, das erfriſcht die Geſichter, und die mich umgebenden erſcheinen mir minder häßlich. Ich habe etwas Geiſt und eine gewiſſe Empfänglichkeit, die es mir möglich macht, aus dem allgemeinen Leben zu wählen, was mir für das meine paſſend erſcheint, wie es der Affe macht, der die grüne Nuß zer⸗

bricht, um zum ſüßen Kern zu gelangenz; ich bin reich, dennfſie ſind einer

der begütertſten Männer Frankreichs, und ich Ihre einzige Tochter, auch ſind Sie nicht ſo hartnäckig, wie die Theaterväter, Ihre Tochter zu enterben, weil ſie Ihnen keinen Schwiegerſohn und keine Enkel geben will. Das vorſichtige Geſetz hat Ihnen die Macht geraubt, mich wenigſtens ganz zu enterben, wie es Ihnen gleichfalls die Macht nimmt, mich zu einer Heirath mit dieſem oder jenem zu zwingen. Alſo ſchön, geiſtreich und talentvoll wie ich bin, und reich dazu? Wie können Sie mich unglücklich nennen? Ei, ſeien Sie doch gerecht, es iſt ja ein Glück!“

Als Danglars ſeine Tochter ſo lächelnd, ſo übermüthig ſtolz vor ſich ſah, konnte er eine rohe Bewegung des Zornes nicht un⸗ terdrücken, aber das war Alles. Dem fragenden Blicke ſeiner Tochter, dieſen ſchönen, ſtrengen, forſchend auf ihn gerichteten Augen gegenüber, ſchlug er die ſeinigen nieder, und beruhigte ſich, durch die Macht der Vorſicht bewältigt.

„Wirklich, mein Kind,“ entgegnete er lächelnd,„Du biſt alles Das, was Du da rühmeſt zu ſein, außer einer Sache, die ich Dir jedoch nicht gerade heraus ſagen werde, ſondern die Du lieber er⸗ rathen magſt.“

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