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„Auch wirſt Du nie wiſſen, mein Gebieter, wie ſehr ich ge⸗ litten habe.“
Der Graf lächelte.
„Bei dem Grabe meines Vaters,“ rief er, die Hand auf den Kopf des jungen Mädchen legend,„ich ſchwöre Dir, Haydée, daß, wenn Unglück paſſirt, es nicht auf mich zurückfällt.“
„Ich glaube Dir, mein Gebieter, als ob Gott zu mir ſpräche,“ ſagte das junge Mädchen, dem Grafen ihre Stirn bietend.
Monte⸗Chriſto hauchte einen Kuß auf dieſe reine Stirn, der Beider Herzen, das eine heftig, das andere dumpf ſchlagen machte.
„O mein Gott,“ flüſterte der Graf,„erlaubſt Du denn, daß ich noch einmal liebe! Laß den Grafen in den Salon treten,“ ſagte er dann zu Baptiſtin und geleitete die ſchöne Griechin in ihr Zimmer.
Sagen wir ein Wort der Erklärung über dieſen von Monte⸗ Chriſto vielleicht, von unſern Leſern jedoch gewiß nicht erwarteten Beſuch.
Während Mercedes auf die vorhin beſchriebene Weiſe beſchäf⸗ tigt war, hatte ſie nicht bemerkt, daß ein bleicher, düſterer Kopf hinter den Scheiben einer auf den Corridor gehenden Thür ſicht⸗ bar ward. Ohne geſehen noch gehört zu werden, ſah und hörte der Lauſcher Alles, was in dem Zimmer der Frau von Morcerf vorging.
Von hier aus trat der Mann mit dem bleichen Geſichte in das Schlafzimmer des Grafen von Morcerf, wankte an das nach dem Hofe führende Fenſter und hob den Vorhang.
Da blieb er zehn Minuten, unbeweglich, ſtumm, die Schläge ſeines eigenen Herzens hörend. Für ihn waren die zehn Minuten ſehr lang.
Da kehrte Albert von ſeinem Rendezvous zurück und wandte, ſeinen Vater hinter dem Vorhang bemerkend, den Kopf weg.
Das Auge des Grafen erweiterte ſich, er wußte, daß Albert
den Grafen furchtbar beleidi gt hatte, und daß einer ſolchen Belei⸗ digung in der ganzen Welt ein Duell auf Leben und Tod folgt. Albert kehrte friſch und geſund zurück, alſo er hatte ſeinen Vater gerächt. Ein Strahl unbeſchreiblicher Freude verklärte dieſes düſtere Der Graf von Monte⸗Chriſto. 76
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