Teil eines Werkes 
5 (1870)
Entstehung
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wenn er hörte, daß dieſe, als gehoffte Verbündete erſehnte Groß⸗ mutter, ohne ihn zu kennen, faſt wie eine Feindin handelte.

Mehr als einmal hatte ſie daran gedacht, ihrer Großmutter Alles zu geſtehen, und ſie würde nicht einen Augenblick gezögert haben, wenn Maximilian Morrel vielleicht Albert von Morcerf oder Raoul de Chateau⸗Renaud geheißen hätte. Aber Morrel ſtammte aus dem Volke, und Valentine kannte die Verachtung der hoch⸗ müthigen Marquiſe von Saint⸗Méran gegen Jeden, der nicht von Adel war. So hatte ſich ihr Geheimniß ſtets, wenn es ihren Lippen entſchlüpfen wollte, in die geheimſten Tiefen ihres Herzens geflüchtet. Die traurige Gewißheit, daß die Entdeckung unnütz ſein würde, hatte ſich ihr aufgedrungen, und ſie wußte, daß jede Hoffnung verloren ſei, ſobald Vater und Stiefmutter es erfuhren.

So vergingen faſt zwei Stunden. Frau von Saint⸗Méran ſchlief, als man den Notar meldete.

Obgleich dieſe Meldung ſehr leiſe gemacht worden war, erhob ſich Frau von Saint⸗Méran dennoch augenblicklich.

Der Notar? rief ſie,o er ſoll ſogleich kommen.

Er trat ein.

Geh, Valentine, ſagte die Marquiſe,und laß mich mit dem Herrn allein.

Aber, liebe Großmama...

Geh, Kind.

Das junge Mädchen küßte ihrer Großmutter die Hand und verließ weinend das Zimmer.

An der Thür traf ſie den Kammerdiener, der ſie benachrichtigte, daß der Arzt im Saale warte.

Schnell eilte ſie ihm entgegen, er war ein Freund des Hauſes und zugleich ſehr berühmt. Er liebte Valentine ganz beſonders, er kannte ſie, ſo lange ſie lebte. Auch er hatte eine Tochter in ihrem Alter, aber, von einer bruſtkranken Mutter geboren, ſchwebte er in unausgeſetzter Furcht um dieſes angebetete Kind.

O, rief Valentine,willkommen, mein lieber Herr von Avrigny, wir erwarten Sie mit Ungeduld; aber vor allen Dingen, wie geht es Madeleine und Antoinette?

Madeleine war Herrn von Avrigny's Tochter, Antoinette ſeine Nichte.