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„Mein Kind,“ unterbrach ſie die Großmutter lebhaft,„ſolche Gründe können nur ſchwache Geiſter verhindern, für ihre Zukunft zu ſorgen; auch meine Heirath ward am Todtenbette meiner Mutter geſchloſſen, und iſt gewiß nicht unglücklich deshalb geweſen.“
„Immer noch dieſe Todesgedanken, gnädige Frau,“ rief Ville⸗ fort in dem Tone ſanften Vorwurfs.
„Noch immer. Ich ſage Ihnen, daß ich ſterben werde, hören Sie? Und ehe ich ſterbe, will ich den künftigen Gatten meines lieben Kindes ſehen, und es ihm an das Herz legen. Ich will ihn bitten, ſie glücklich zu machen, und in ſeinen Augen leſen, ob er mir gehorchen wird. Ich will ihn kennen, ich,“ fuhr die Marquiſe mit erſchreckendem Tone fort,„um aus der Tiefe meines Grabes zu ihm zurückzukehren, wenn er nicht das iſt, was er ſein ſoll.“
„Gnädige Frau,“ ſagte der Procurator,„man muß dieſe auf⸗ geregten, faſt irren Gedanken entfernen; die Todten, welche einmal unter der kühlen Erde ſchlummern, erwachen nie wieder.“
„O ja, ja, gute Großmama, beruhige Dich,“ bat Valentine.
„ Und ich, Herr Sohn, ſage Ihnen, daß Ihr Glaube falſch iſt, mein Schlaf in dieſer Nacht war entſetzlich, denn es ſchien mir, als habe die Seele den Körper ſchon verlaſſen; ich verſuchte meine Augen zu öffnen, aber ſie ſchloſſen ſich wider meinen Willen, und doch, mein Herr, weiß ich, daß es Ihnen unglaublich ſcheinen wird, ja,
ich ſah mit meinen geſchloſſenen Augen, an dem Orte wo Sie ſtehen,
eine weiße Geſtalt in jener Thür erſcheinen, welche in das Toiletten⸗ Zimmer der Frau von Killefort führt.“
Valentine ſtieß einen Schrei aus.
„Sie hatten Fieber,“ ſagte Villefort.
„Zweifeln Sie, wenn Sie wollen, ich bin von dem, was ich ſage, überzeugt, ich ſah eine weiße Geſtalt und, als ob Gott ge⸗ fürchtet hätte, daß ich das Zeugniß eines meiner Sinne verwerfen würde, hörte ich mein Glas klirren, jenes, was hier auf dem Tiſch⸗ chen ſteht.“
„O gute Mutter, das war ein Traum.“
„Das war ſo wenig ein Traum, als daß ich die Hand nach der Klingel ſtreckte, und bei dieſer Bewegung der Schatten ver⸗ ſchwand. Dann trat die Kammerfrau mit Licht ein.“
„Aber Sie haben Niemand geſehen.“


