Teil eines Werkes 
3 (1870)
Entstehung
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Carnevals. Am Dienſtag öffnen ſich die Theater um zehn Uhr Morgens, denn von acht Uhr Abends geht die Faſtenzeit an. Alles, was aus Mangel an Zeit, Geld oder Neigung an dem Carneval nicht Theil nahm, miſcht ſich wenigſtens den Dienſtag in das Gedränge, läßt ſich von dem Bacchanal fortreißen und giebt ſeinen Theil zu dem Lärm und Geräuſch. Von zwei bis fünf Uhr ſchloſſen Franz und Albert ſich dem Zuge an, den entgegenkommenden Wagen und Fußgängern, welche ſich zwiſchen den Pferden und Rädern

durchdrängten, ohne daß in dieſem gefährlichen wüſten Gedränge

ein einziger Unglücksfall geſchah, oder auch nur ein Zank oder Kampf ſtattfand, Hände voll Confetli zuwerfend. Die Italiener ſind das vorzüglichſte Volk in dieſer Hinſicht. Die Feſte ſind für ſie wirk⸗ liche Feſte. Der Autor, der ſechs Jahre in Italien gelebt hat, erinnert ſich nicht, je eine Feſtlichkeit durch einen Zank oder eine Schlägerei geſtört geſehen zu haben.

Albert paradirte in ſeinem Bajazzo⸗Coſtüme. Er hatte ein rothes Band auf der Schulter, deſſen Enden bis an die Knie reichten, damit er ja nicht mit Franz verwechſelt werden konnte. Dieſer hatte ſeinen Bauern⸗Anzug beibehalten.

Je ſpäter es wurde, je größer der Tumult: auf allen dieſen Straßen, in all' dieſen Wagen, an all' dieſen Fenſtern, war nicht ein Mund ſtumm, nicht ein Arm müſſig; es war ein wahres menſch⸗ liches Gewitter, mit einem Donner von Geſchrei und einem Hagel von Confetti, Sträußen, Eiern, Orangen und Blumen. Um drei Uhr kündigt der Lärm der zu gleicher Zeit auf der Piazza del Popolo und vor dem venetianiſchen Palaſte gezogenen Büchſen, der kaum dieſen entſetzlichen Tumult durchdringt, an, daß das Wett⸗ rennen beginnen werde.

Das Wettrennen, wie die Moccoli, ſind eine der Hauptepiſoden des letzten Carnevaltages. Bei dem Geräuſche dieſer Büchſen durch⸗ brechen die Wagen augenblicklich die Reihen und flüchten ſich in die nächſten Nebenſtraßen. Alle dieſe Bewegungen werden übrigens mit ausnehmender Geſchicklichkeit und wunderbarer Schnelligkeit gemacht, und zwar ohne daß ſich die Polizei im Mindeſten darum zu bekümmern braucht. Zuweilen drückten die Fußgänger ſich plötz⸗ lich an die Mauern der Paläſte, dann hörte man einen großen Larm von Reitern und Süäbelſcheiden.

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