ſich zum Eſſen einzuſtellen. Einige getrocknete Früchte und ein Fäßchen Wein von Montepulciano ſollten die Mahlzeit vollſtändig machen. Dantes ſetzte, ſich zuweilen umdrehend, ſeinen Weg fort. Auf dem Gipfel eines Felſens angekommen, ſah er tauſend Schritt unter ſich ſeine Gefährten, zu denen Jacopo eben gekommen war, und die ſich ſchon mit Zubereitung des ihnen geſendeten Wildes beſchäftigten, welches eine ſo köſtliche Zugabe zu ihrer Mahlzeit war.
Edmond betrachtete ſie einen Augenblick mit dem ſanften, traurigen Lächeln eines Mannes von höherer Bildung. In zwei Stunden, dachte er, werden dieſe Leute da unten um 50 Piaſter reicher, abreiſen, und, um andere zu gewinnen, abermals ihr Leben wagen; dann werden ſie im Beſitze von 600 Livres zurückkehren, und dieſen Reichthum mit dem Stolze von Sultanen und der Auf⸗ geblaſenheit von Nabobs in irgend einer Stadt vergeuden. Heute läßt Hoffnung mich ihren Reichthum, der mir erbärmlich ſcheint, verachten; morgen läßt vielleicht Enttäuſchung mich dieſes, was mir jetzt erbärmlich erſcheint, beneiden....„O! nein,“ rief Edmond, „das iſt unmöglich; der weiſe, der unfehlbare Faria ſollte in dieſem einen Punkte geirrt haben? Uebrigens möchte ich lieber ſterben, als noch länger dieſes erbärmliche, untergeordnete Leben führen.“ So hatte alſo Dantes, der vor drei Monaten nur an Freiheit dachte, jetzt ſchon nicht mehr an der Freiheit genug und verlangte nach Reichthum. Dies war jedoch nicht Dantes Schuld, ſondern liegt in der menſchlichen Natur, der die Beſchränkung ihrer Kräfte unendliche Wünſche ſchafft.
Indeſſen hatte Dantes auf einem zwiſchen zwei Felſen ſich hin⸗ windenden ſchmalen und mühſamen Wege, den ein Strom aus⸗ gehöhlt und noch nie ein menſchlicher Fuß betreten zu haben ſchien, ſich dem Orte genähert, wo ſeiner Meinung nach die Höhlen ſein mußten. Indem er ſich immer am Meeresufer hielt und die kleinſten Gegenſtände mit ernſter Aufmerkſamkeit unterſuchte, glaubte er an gewiſſen Felſen Einſchnitte, die nur von Menſchen gemacht ſein konnten, zu entdecken.
Die Zeit, die über alles Phyſiſche ihren Mantel von Moos, wie über alles Moraliſche ihren Mantel der Vergeſſenheit wirft, ſchien dieſe mit einer gewiſſen Regelmäßigkeit und nicht ohne Ab⸗ ſicht gemachten Zeichen reſpectirt zu haben. Hin und wieder ver⸗


