XXII. Die Inſel Tiboulon.
Erſchrocken, betäubt und faſt erſtickt, hatte Dantes doch die Geiſtesgegenwart, den Athem anzuhalten, und da er auf alle Fälle vorbereitet, wie der Leſer weiß, ſein Meſſer geöffnet in der rechten Hand hielt, ſo öffnete er den Sack und kam erſt mit den Armen, dann auch mit dem Kopfe heraus, doch waren alle ſeine Bemüh⸗ ungen vergebens, weil er ſich durch die ſo feſt an ſeinen Füßen hängende Kugel zurückgehalten fühlte; ſo ſollte denn ſo viele Angſt und Anſtrengung vergebens ſein und er Angeſichts der er⸗ ſehnten Freiheit unterliegen? Er bot nochmals alle ſeine Kräfte auf, kauerte ſich zuſammen, und es gelang ihm, den Strick zu durch⸗ ſchneiden, in dem Augenblicke, wo er nahe am Erſticken war. Jetzt tauchte er vermöge eines kräftigen Stoßes mit dem Fuße zur Ober⸗ fläche des Meeres empor, während die Kugel den groben Sack, der ſein Leichengewand hatte ſein ſollen, in deſſen unendliche Tiefen zog. Dantes nahm ſich nur Zeit, Athem zu ſchöpfen, und tauchte wieder unter, denn es war jetzt das erſte Erforderniß, nicht geſehen zu werden.
Als er zum zweiten Male auftauchte, war er wenigſtens fünfzig
Schritte von dem Orte ſeines Falles entfernt: er ſah einen ſchwarzen, ſturmdrohenden Himmel über ſich, an welchem der Wind ſchnelle Wolken vorüberjagte, durch welche zuweilen ein azurblaues Fleckchen, an dem ein Stern ſchimmerte, ſichtbar wurde. Vor ihm dehnte ſich die finſtere, brauſende Fläche, deren Wogen, wie bei dem Beginne eines Sturmes, zu kochen anfingen; während hinter ihm, ſchwärzer als das Meer und der Himmel, wie ein drohendes Geſpenſt, der Rieſe von Granit emporſtieg, deſſen düſtere Spitze einem ausge⸗ ſtreckten Arme glich, der ſeinen Raub wieder ergreifen wollte. Auf
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