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Marſeille.— Die Ankunft.
Am 28. Februar 1815 ſignaliſirte die Wache von Notre Dame de la Garde den Dreimaſter„Pharaon“, welcher von Smyrna, Trieſt und Neapel kam. Wie gewöhnlich verließ ſogleich ein Küſtenlootſe den Hafen, fuhr dicht an dem Schloſſe If vorbei und erreichte dann das Schiff zwiſchen dem Kap Morgion und der Inſel Rion. Wie das immer in ſolchen Fällen zu geſchehen pflegt, hatte ſich ſogleich die ganze Plateform des Fort St. Jean dicht mit Neugierigen an⸗ gefüllt, denn die Ankunft eines Schiffes, beſonders wenn daſſelbe, wie der Pharaon, auf den Werfen der alten Phocäa gebaut, aus⸗ gerüſtet und geladen iſt und einem Rheder der Stadt angehört, iſt für Marſeille immer ein wichtiges Ereigniß.
Das Schiff hatte glücklich die durch einige vulkaniſche Stöße gebildete Meerenge zwiſchen den Inſeln Calaſervigne und Jaros durchſchnitten, Pomegue umſegelt, und näherte ſich, zwar mit vollen Segeln, aber ſo langſam und mit einem ſo traurigen Anſehen, daß die Neugierigen, Unglück ahnend, einander fragten, welcher Unfall an Bord ſtattgefunden haben möge. Indeſſen erkannten die des Seeweſens Kundigen zugleich, daß, wenn ein Unglück ſtattgefunden, daſſelbe nicht das Schiff ſelbſt betroffen haben könne, denn es näherte ſich zwar langſam, aber nach allen Regeln eines vollkommen gut geleiteten Fahrzeuges. Der Anker war zum Auswerfen bereit, die Taue des Bugſpriets losgewunden, und neben dem Lootſen, der ſich anſchickte, den Pharaon durch die enge Einfahrt in den Hafen von Marſeille zu leiten, ſtand ein junger Mann mit raſchen Geber⸗ den und klugem Auge, der aufmerkſam jede Bewegung des Fahr⸗ zeuges überwachte und jeden Befehl des Lootſen wiederholte.
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