——
——
1
kleides, und als ſie ihr blaſſes, hochgeſchmücktes Bild im Spiegel ſah, da kam es ihr vor, als ob ſie geſtorben wäre, als ob ſie ſelbſt ihre geſchmückte Leiche im Sarge betrachten müſſe. Man hob Sophien in den goldnen Brautwagen, und ſechs Schimmel flogen mit ihr nach der Schloßkirche, wo der Bräutigam ſie erwartete. Zwei Grafen und zwei Ritter waren auserwählt, die Schleppe der Braut zu tragen, und Sophie gewahrte darunter auch Königsmark, der mit zit⸗ ternder Hand einen Zipfel ihres Kleides hielt. Da ergriff der Kurprinz ihre Hand, zwölf Pagen mit brennenden Kerzen ſchritten voraus, und Sophie glaubte nun wirklich ihr eignes Begräbniß anzuſchaun. So gelangten ſie zum Altar, der Geiſtliche wechſelte die Ringe, und ſie ließ be⸗ wußtlos ihre Hand in die des Bräutigams legen. Erſchreckt fuhr Sophie zuſammen, als draußen die Geſchütze krachten, denn ſie wußte nicht, was geſchehen war, und während ſie ſich darauf beſann, war ſie bereits Kurprinzeſſin von Han⸗ nover.
Viele Luſtbarkeiten und glänzende Turniere beſchloſſen
das Hochzeitsfeſt. 3
Drei Jahre waren ſeitdem verfloſſen, und in einer Aka⸗ zienlaube des Schloßgartens, den der Herbſt eben zu ent⸗ blättern anfing, ſaß die Prinzeſſin Sophie. Ihr Antlitz erſchien noch immer lieb und ſchön, aber der Gram hatte den heitern Jugendſchmelz davon abgeſtreift, ſo daß es nun einem ſchmerzenreichen Madonnenbilde glich. Neben ihr ſchlief, im zierlichen Kinderwagen, ein ganz kleines Mäd⸗


