Die neue Ruth.
Das ganze Jahr iſt der Feldbau einein gleichmäßigem Schritte gehaltene ſtetige Arbeit. In der Heuet, noch mehr aber in der Ernte wird ſie plötzlich zur Leidenſchaft, es iſt ein gehetztes Trei⸗ ben, jede Stunde, jede Arbeitskraft, jedes Fahrzeug iſt unerſetzlich, man jagt im Galopp die Straße hinaus aufklapperndem Wagen, biegt feldein, wo die Räder ſich ſtille umdrehen, fährt knallend mit geladenem Wagen ins Haus zurück, um dann auf's Neue hinaus zu jagen, wo die gebundenen Garben harren. Selbſt die Eſſenszeit, der ſonſt ſo gewiſſenhaft gehaltene Ruhepunkt, iſt draußen im Felde von Haſt nicht frei, ſo ſehr man ſich auch ge⸗ genſeitig ermahnt, die Haſt nicht aufkommen zu laſſen.
Das aber iſt ein ſchönes Kennzeichen der Menſchennatur, daß das Herz ſich um ſo freudiger bewegt inmitten aller Arbeits⸗ mühen, daß ein gutes und heiteres Wort nie erfriſchender in die Seele fällt, daß ein Biſſen nie beſſer mundet, daß man nie zu einer, wenn auch flüchtigen doch innigen Begegnung mit den Nebenmenſchen aufgelegter iſt, als in ſolcher angeſpannten Thã⸗ tigkeit. Alle Tugenden und Lebensfreuden ſprießen frei in ihr auf und jener uralte Fluch iſt zum Segen verwandelt, der Menſch iſt erſt durch die Arbeit zum Menſchen geworden.
Wie der Morgenthau erfriſchend auf Buſch und Halm lag, ſo ruhte auch ein erquickliches Gefühl im Herzen Aller, die vom Hauſe Gottfrieds mit den Sicheln hinausſchritten in das Feld. Bläſi ging voran mit den Männern, die Frauen hinter ihnen drein mit Körben und Krügen an der Hand. Man ging eine ge⸗
raume Strecke wortlos, da machte ein Scherz Traudle's Alles lachen, ſie ſagte:„Wann ſind die Bauern am ſtärkſten?“ Nie⸗


