Teil eines Werkes 
4. Bd. (1854)
Entstehung
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Am zweiten Sonntage ſprach Gottfried das erſte Wort mit Erdmuthe:

Mädle, ich hab heut dein' Stimm in der Kirche aus Allen heraus gehört, du haſt was beſonderes, ich weiß nicht was. Erdmuthe ſah ihn groß an, hatte ſie die Stimme ihrer Mutter und hatte dieſe den Bruder ſo angeſprochen? Wie gerne hätte ſie alle Vermummung abgelegt, aber ſie durfte nicht und immer mußte ſie denken, daß dieſer Mann Trauer um ſie wie um eine Todte angelegt; ſie hatte ſchon einmal durch die Erregung ſeiner Heftigkeit ihn an den Rand des Grabes gebracht, ſie durfte nichts mehr wagen.

Am Abend in der Dämmerung ging Erdmuthe mit Traudle durch das Dorf, dieſe kannte Jedermann und hatte überall eine Anſprache und Erdmuthe ſtand dabei ſo verlaſſen und es ſchnitt ihr durch die Seele wenn ſie hören mußte, daß ſie die Tochter Traudle's ſei. Verleugnete ſie ihre Mutter? Sie kam ſich beſtän⸗ dig wie eine Diebin vor und gab nur wenig Antwort und die Spielplätze ihrer Kindheit betrachtete ſie mit verſtohlenem Blicke. Bläſi hatte ihr doch Schweres auferlegt, aber ſie vertraute ihm und wollte ausharren. An ihrem elterlichen Hauſe ſtand ſie lange bei der Schweſter Bläſis und konnte ſich kaum enthalten, ſie nicht als Baſe zu begrüßen. War denn dieſe ganze Mummerei nicht unnöthig und grauſam? Aber Bläſi ſollte ſehen, daß ſie ihm unbedingt gehorchte. Die jungen Burſchen und Mädchen zogen ſingend durch das Dorf, die Schweſter Bläſis verkündete mit Jubel, daß dieſer ſeit Jahren zum erſtenmal wieder unter ihnen war. Erdmuthe ſeufzte ſtill und immer wieder kam die unlösliche Frage, warum gerade ihr allein ein ſo ſchweres Loos beſchieden war. Der Dorſſchütz klingelte und verkündete, daß am morgen⸗ den Tage die Ernte beginne und ein Jeder vor Allem Wege ſchneiden müſſe, daß der Nachbar ſeine Frucht ohne Schaden des andern heimbringen kann.

Das Dorf ſchlief bald, denn mit der Morgenſonne mußte Alles wach ſein.

Man ſollte eigentlich gar keinen Menſchen lieb haben, ſagte

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