„Da brauch ich ihn grad nicht dazu, das kann ich am beſten allein. Zuerſt muß Ich die Sach fertig haben, dann kommt èrſt er.“
Die Bäuerin ſchweigt und der Bauer liest die Zeitung, den Wälderboten, den der Milchbub, wenn er Morgens die Milch nach der Stadt führt, mitbringt, den aber der Bauer täglich ruhig warten läßt und die Weltnachrichten, Vergantungen und Frucht⸗ preiſe jedesmal erſt am Abend wenn alle Arbeit abgethan, liest. Er zwirbelt ſich dabei mit der Hand die linke Augbraue und manchmal fährt er ſich über die Stirne, denn er liest heute zer⸗ ſtreut. Der Gedanke, daß er keinen ebenbürtigen Nachbar habe und darum für ſeine Kinder ſich auswärts umthun müſſe, geht ihm durch den Sinn. In dem Blättchen ſtand, daß in Klurren⸗ bühl wiederum Liegenſchaften verſteigert werden. Der Hofbauer von Klurrenbühl war der einzige ebenbürtige Nachbar geweſen, aber er hat ſchon vor Jahren ſein Gut verkauft und iſt Papierer geworden. Der Hirzenbauer von Nellingen hat die unverzeihliche That begangen, ſein ſchönes von alten Zeiten her unzerſpaltenes Gut unter ſeine Kinder zu zertheilen.
Der Furchenbauer ſchüttelt den Kopf und holt tief Athem, er ſchaut nachdenklich ſteif ins Licht, dann ſteht er plötzlich auf und ſtellt ſich feſt hin indem er beide Fäuſte ballt; er mag es fühlen, daß er bald der einzige iſt in der Gegend, der einzige mächtige Stamm, während Alles ringsum abgeholzt iſt. Er iſt feſt genug, ſich von keinem Sturm entwurzeln zu laſſen.
Ja, der Furchenbauer gleicht einer mächtigen Tanne, und wie dieſe oft in ihrer Wurzelausbreitung auf ein Felsſtück ſtößt, aber unbehindert ihre Wurzeln darüber hinſtreckt und den Fels in ſich einkrallt und wie dieſes Wurzelgeäſte harzgetränkt lichter⸗ loh brennen kann, ſo iſt auch der Furchenbauer unbewegt, einen Gedanken wie einen Felſen mit den Wurzeln feſthaltend und helle Flammen in ſich bergend.


