Zwanzigſtes Kapitel.
Mancher Aberglaube iſt nur eine Erfahrungs⸗ wahrhei zu ſicherer Ueberlieferung von Geſchlecht zu Grſchlecht in feſte Form gebunden iſt, und die Furcht regiert viele Gemüther leichter als die Einſicht. Man hält es für göfäßrbringend vor den allzeit auernden böſen Schickſalsmächten, ſolch ein Feſt iern wie Broſi und Moni gethan, das den langen ſtillen Fort⸗ gang des Lebens in mächtigem Zuſammenfaſſen ſpannt und höher hebt, und in der That erſchließt ſich leicht hinter ſolch einem Hochpunkte die Kahlheit des Alltags⸗ lebens und der unterbrochene ſtille Fortgang verwandelt ſich nun in Oedigkeit und Mlbſpannung. Es iſt etwas anderes, zur Zeit der aufſtrebenden Kraft einen Jubel⸗ tag ſich zu ſetzen als da, wo die Ruhe und das ſtille Walten allein Erquickung bietet. Wie ſich Moni unter der Schappel demüthig gebeugt hatte, ſo war ſie den ganzen Tag in ſich ſtill und ruhig geblieben, Broſi aber hatte im jauchzenden Austoben ſich erluſtigt und ſchon am andern Tage, nachdem Severin abgereist war, ſchlief Broſi nach dem Eſſen unwillkürlich auf der Bank ein.


