ſind. Wer meinte nicht ſein Lebelang immer wieder, jetzt habe er ſich endgültig eingepuppt oder entpuppt, indeß er unwiſſentlich nur in einer neuen Larve ſteckt.“
„Das iſt ja wie die Schlangenhäutungen“, brummte Seibold verdroſſen.
„Nur daß die Schlange auch in jeder neuen Haut immer Schlange bleibt, während der Menſch that⸗ ſächlich in den verſchiedeenen Phaſen ein Anderer iſt. Schlange, Schaf, Löwe, Hyäne, Affe, Alles nachein— ander, wie's kommt, während er ſich nach der fable convenue von der Charakterfeſtigkeit noch immer für den unwandelbaren König der Schöpfung hält.“
Das war bitter und gehäſſig geſprochen und es machte um ſo mehr den Eindruck, als Graf Amadeus dabei aus ſeinem gleichmüthigen Hohne fiel, ja ſogar die kaum zur Hälfte gerauchte Cigarre mit einer Ge⸗ berde des Ekels heftig zu Boden warf.
Ulrich, der ſelbſt in hocherregter Stimmung war, achtete nicht ſonderlich auf den Ausbruch. Er hatte ſich verletzt gefühlt durch die ſo allgemein und ausnahmslos ausgeſprochene Anſchuldigung, die nicht zu verdienen ihm bewußt war.
„So geben Sie doch zu“, ſagte er jetzt,„daß ſich
nicht Jeder abſichtlich in einer Larve birgt.“


