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deutete Seibold auf Ulrich hinüber.„Das Evangelium der Freiheit und Wahrheit müſſen wir predigen. Lange genug ſind die Künſte mißbraucht worden zu einer Schönheitslüge, jetzt ſollen ſie ihren Zweck endlich er⸗ füllen und die Menſchheit begeiſtern für das, wozu ſie berufen iſt.“
„Und wiſſen Sie denn, wozu ſie berufen iſt?“ fragte der Graf ſarkaſtiſch.
„Ob ich es weiß!“ Seibold legte ſich aus, flammende Worte zu ſprechen, die ihm nur nicht gleich zu Gebote ſtanden; er ſchlug denn vorläufig mit beiden Händen energiſch den Takt, wie wenn er eine Partitur vor ſich hätte, in welcher ſogleich für ihn der Zeit— punkt zum Einfallen kommen mußte. Aber der Graf ſprang ihm zuvor.
„Das heißt, Sie glauben es zu wiſſen, ſowie es der und jener auch zu wiſſen glaubt; indeß ergründet hat's noch Keiner das große Wozu unſeres Da⸗ ſeins. Jeder aber kämpft für ſeine Meinung und will ihr Alles dienſtbar machen. Jedwedes Ding muß ſich ihm zur Waffe wandeln und ſo wird auch die Kunſt hierzu gepreßt. Zu einer Schönheitslüge wurde ſie mißbraucht, ſagen Sie, und als was ſoll ſie nach Ihrer Meinung erſcheinen? Wieder nicht als ſie ſelbſt, ſondern nur als Larve einer ihr fremden Abſicht. Da


