9
„Ihr klopft ja auch an jeder Thüre,“ antwortete der Bocher ſpitzig.
„Ich rufe die Leute in die Schule, damit ſie beten und ſelig werden,“ entgegnete der Schulklopfer.
„Und ich,“ antwortete der Bocher ſchnell,„fordere die Leute zum Wohlthun auf, wodurch ſie noch eher in die Geſellſchaft der Frommen gelangen.
Schlome, welcher ſich unerwartet geſchlagen ſah, ſchwieg, und indem er einige unverſtändliche Worte vor ſich hinmurmelte, verdoppelte er ſeine Schritte, um deſto eher ſeine eigene Wohnung,„die Schl afſtatt“ zu erreichen.
Der Unwille über die Ankunft des armen Frem⸗ den lag im Intereſſe des Schulklopfers.— In einem ſchmutzigen finſteren Gäßchen war dieſem von der Ge⸗ meinde ein Häuschen gemiethet, welches nur zwei elen⸗ de Kämmerchen zur Wohnung darbot. Dieſe waren durch einen ſchmalen Raum getrennt, an dem ſich rück⸗ wärts eine Küche anſchloß.
Das vordere dieſer Behältniſſe war dem ledigen Schlome eingeräumt, das rückwärtige aber diente durch⸗ reiſenden Armen zur Herberge, welche der Schulklopfer blos mit einer Schlafſtätte zu verſehen verbunden war, und die deßwegen auch die Schlafſtatt genannt wurde.


