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247 deckte ihre Wangen, ſie wollte um Hülfe ſchreien, und vermochte nicht einen Laut aus der Kehle zu preſ⸗ ſen; wie das verkörperte böſe Gewiſſen erfaßte ſie die
geſpenſtige Erſcheinung, ſie raffte all ihre Kraft zu⸗
ſammen und ſtürzte aus dem Gemache. Wohin ſollte ſie fliehen, wo ſollte ſie Schutz vor der geſpenſtigen Erſcheinung finden? Ein Gedanke erwachte, ſie nahm
ihre Richtung hinab gegen den Thurm, wo ſich die
geheime Werkſtätte des Adepten befand. Die Angſt beſchwingte den fliehenden Fuß, faſt verging ihr der Odem, ihr Weg führte über einen langen Gang, ſie blickte hinter ſich und gewahrte noch immer die ſchreck⸗ liche Geſtalt ihr folgen, deren Augen wie Kohlen aus der Finſterniß leuchteten; Raſcher als früher ſetzte ſie ihren Lauf fort, nach Athem ringend, die Hände kreuzend; in ihre Ohren drang das Rauſchen des weißen Gewandes, es kam immer näher, jetzt befand ſie ſich in der Nähe des Thurmes, da hörte ſie aus demſelben die donnernde Stimme des Adepten, er ſchrie:„Wollt Ihr mich frei ziehen laſſen aus der Burg? ſagt:„Nein!“ und ich ſchleudere das Gefäß in die Gluth!“ In demſelben Augenblicke riß Liana die Thüre auf, ſtürzte ins Gemach, das Waldfräulein mit dem drohenden Dolche hart hinter ihr; ein furcht⸗ barer Schrei des Adepten und des Ritters durchdröhn⸗ te das Gemach, das Thongefäß entfiel der zitternden


