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Waldfräulein oder Ritter und Adept : romantische Sage der Vorzeit / von Eduard Breier
Entstehung
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ves müſſen hiebei alle günſtigen Umſtände eintreffen: Wetter, Tag und Stern haben Einfluß darauf, böſe Geiſter können es ſtören, und ſuchen auch, es zu thun; feindliche Elemente können es vernichten, und ſelbſt Todte üben mißgünſtige Macht darauf. Wenn ſolcher Weiſe das Pulver fertig, kömmt es mit dem Gold übers Feuer in ein Thongefäß, ſobald ſich die Maſſen zu miſchen beginnen, hängt der himmliſche Feuerſtrahl wie an einem Haar über dem Haupte des Goldmachers und ſeiner nächſten Umge⸗ bung, ein Funken nur, ein Stoß nur, ein ſündig Wort nur, eine Erſchütterung nur, ein Fluch nur, ſind hinreichend oft das Haar reißen zu machen, und das Verderben herabzubeſchwören!

Medardus hält mit dem Leſen inne, Grabesſtille herrſcht im Gemache; Linzer, mit verſchränkten Armen, die Beine weit von ſich geſtreckt, ſieht finſter in die Glut, der Adept ſchielt nach ihm mit einem Seiten⸗ blick, in dem Tiegel drinn beginnt es bereits zu ſchäu⸗ men und zu broddeln.

Liana war indeſſen aus ihrem bewußtloſen Zu⸗ ſtande erwacht, Dunkelheit umfing ſie, ſie ſprang auf, befahl ihrer Dienerinn die Lampe zu zünden, und begehrte dann wieder allein zu ſein. Die fürch⸗ terlichen Gedanken waren zwar geflohen, aber die Wirkung derſelben war geblieben, ſie war blaß, und