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Waldfräulein oder Ritter und Adept : romantische Sage der Vorzeit / von Eduard Breier
Entstehung
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benmenſchen einzuſaugen, es mögen dieſe nun gerecht oder ungerecht ſein, gleichviel, es gleicht immer einem dürren Schwamm, der gierig die Feuchte verſchlingt, und nie ſatt wird, ſo lange nur noch ein Räumchen desſelben hohl und leer iſt; ſo war es auch hier. Linzer war in ſeinen Selbſtgedanken mit der Verbrei⸗ tung dieſes Mißtrauens ſo geſchäftig, daß wenige Augenblicke hinreichten, ihn den Entſchluß faſſen zu laſſen, mit der größten Vorſicht und Aufmerkſamkeit zu Werke zu gehen; er war jedoch viel zu klug und zu erfahren, um nur einen Schein dieſes Beſchlußes aus ſeinem Thun hervorſchimmern zu laſſen, oder durch Minen und Blick zu verrathen. Dieß Alles ging in ſeinem Innern vor, während Medardus gleichſam von ſeinen Worten überredet, ſich endlich herbeiließ, Lianen aus der Burg nicht zu entfernen, und ihm das Verſprechen leiſtete, ſelbſt auf das Mäd⸗ chen einzuwirken, damit es ſich der fehlgeſchlagenen Hoffnungen halber, nicht unnützem Kummer Preis gebe. Nach dieſer Rede begann Linzer: Als ihr mich hieherzukommen auffordertet, mit der Angabe, daß Ihr mir wichtige Entdeckungen zu machen hättet, war ich der Meinung, ſie beträfen unſere Angelegen⸗

heit, die ich ſo weit gediehen wähnte, daß wir end⸗ lich einmal eine Ernte hoffen durften, da wir doch

ſchon ſo lange geſäet haben.