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liebt, und daß es Euer ernſter Wille ſei, daſſelbe glücklich zu machen; aber die Umſtände ſind demſelben ſehr ungünſtig. Lianens Ruf iſt durch ihr Weilen auf dem Schloße ſehr getrübt worden, in den jetzigen Verhältniſſen wird er es noch mehr; was ſoll aus Lianen werden, wenn Eure Lage für immer die näm⸗ liche bliebe? Ich bin daher geſonnen, das Mädchen von hier zu entfernen!
Medardus wollte durch dieſe Worte den Wider⸗ ſtand des Ritters prüfen, und fand, was er auch vermuthet hatte, den heftigſten ſeiner Art; dieſe Be⸗ ſtätigung bekräftigte ihn aber auch in ſeinem Vorſatze, und er beſchloß ohne Zögern mit Lianen die Flucht zu ergreifen, und zwar, wenn es möglich ſein ſollte, noch in der heutigen Nacht; aber in Linzers Buſen hatten die Worte des Adepten einen Verdachtsfunken geworfen; es wunderte ihn anfangs, wie Medardus nur einen Augenblick lang dieſen Gedanken gehegt haben konnte, es quälte ihn, er wußte jedoch nicht recht, die wahre Urſache dieſs Gefühls anzugeben, eine Ahnung ſagte ihm, daß hier Etwas vorgehe, was ihn betreffe, und zum erſten Mal, ſo lange er ihn kannte, kam ihm der Blick des Goldmachers fin⸗ ſter, unheimlich vor; er wurde mißtrauiſch. Das menſchliche Herz iſt nie gieriger, als wenn es darauf ankömmt, üble Meinungen oder Verdacht von dem Ne⸗
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