236
ſehen geſunken, ſie war wieder das willenloſe Werk⸗ zeug des angeblichen Vaters, ſie war wieder das ar⸗ me, unglückliche Mädchen, welches erſt wieder neue Augen blenden, andere Herzen erobern mußte, ſie war wieder jenes Geſchöpf, welches das wieder von vorne beginnen mußte, was es ſchon ſo glücklich vollendet zu haben wähnte; o daß dieſer ſchöne Bau zuſam⸗ men ſtürzen mußte!
Was hätte ſie in dieſem Augenblicke darum ge⸗ geben, ganz ſchuldlos zu ſein, um dem Störer ihres Glückes die Stirne biethen zu können, aber ſie durfte, ſie konnte dieß nicht; Linzer war getäuſcht, ſie war elend im Herzen, elend in ihrer Lage.— Dieſe Ge⸗ danken brachten ſie wieder auf den Ritter, er befand ſich in dieſem Augenblicke bei Medardus im Thurme, welche wichtige Entdeckung hatte ihm dieſer zu ma⸗ chen? Sollte er vielleicht doch ſchon die Goldtinktur gefunden haben? warum wollte er aber aus der Burg fliehen? Oder ſollte er ihn vielleicht gar— heiliger
Himmel!— wenn es wäre, wenn der Elende um ſeine Flucht zu ſichern, das Bubenſtück beginge, und den Ritter mordete?— Liana empfand für Linzer
nichts weniger als Liebe, eine Zuneigung und ſonſt nichts; eines innigeren, beſtändigeren Gefühles war die Leichtſinnige nicht fähig, aber ſie hatte ſich ſo da⸗ ran gewöhnt, die Seinige zu heißen, daß die Sorg⸗


