212
Ich will Dir deßhalb Rath ertheilen. Der Ritter von Schrattenſtein iſt jetzt beim Bankett oben in froher Laune, geh' hinauf und bitte ihn, er möge Dir geſtat⸗ ten, nur auf acht Tage lang das Schloß verlaſſen zu dürfen: Du hätteſt die Kunde erhalten, Dein einziger Anverwandter, Dein Vetter, wäre todtkrank und wolle Dich noch einmal vor ſeinem Tode ſehen. Der Ritter wird Dir Deine Bitte gewähren, und Du kannſt Mor⸗ gen ſchon den Schrattenſtein verlaſſen.
Was frommt mir aber dieſes, verſetzte Hanns, wenn ich nach der verfloſſenen Friſt wiederkehren muß?
Du wirſt nicht wiederkehren dürfen, darauf nimm meine Verſicherung!
Da müßte ich ja aber den Ritter belügen! rief Poſtl, denn mein Vetter war ja ſtets friſch und geſund!
Er iſt es jetzt nicht mehr, antwortete Jutta, denn er liegt wirklich zum Sterben darnieder.
Dieſe Nachricht erſchütterte den Weinzürl, er ſprach: Wißt Ihr dieß gewiß?
Ich lüge nicht! verſetzte die Alte, wenn Du Dich nicht beeil'ſt, ſo findeſt Du ihn kaum noch am Leben!
Aber woher wißt Ihr denn Alles? fragte Hanns wieder verwundert.
Mir iſt nichts verborgen, ich durchdringe Mauern und Herzen, ich bin jetzt hier, im nächſten Augenblicke ſchon Stundenweit entfernt. Die Zeit verrinnt, daher


