20 Mirjam, ſie geht troſtlos umher— Du ſollteſt nur ſehen, wie der Eine Tag ſie verſtört hat.
Ich bedaure, daß ſie ſo ſchwach iſt, über das Gerede meiner Feinde nicht erhaben zu ſein.
Du verkennſt ſie, Rabbi! Sie iſt von der Nich⸗ tigkeit der Anklage ſo feſt überzeugt, wie ich⸗ wie
Eßman und wie viele Andere.
Und ſie wünſcht es dennoch, daß ich mich zu einer Vertheidigung erniedrige?
Sie ſieht nur eine Erhebung, einen glänzen⸗ den Sieg darin; ſie würde mit Dir triumphiren und jubeln, ſo wie ſie jetzt über Dich weint, bittere, heiße Thränen vergießt.
Rabbi Eliah ſchüttelte unwillig den Kopf:
Welch' Unheil bringt der einzige Schritt eines unbedächtigen Weibes! Glaube mir ſicher, Joſe! der Anlaß iſt ſo nichtig, daß ich jetzt noch über ſeine
Folgen ſtaune; aber ſo iſt es, wenn man Feinde hat,
die böſe ſind! Ein edler Feind erniedriget ſich nie, aus kleinlichen Vorfällen große Vortheile zu ziehen; aber dieſe hier, die mit Sehnſucht, mit Gier einem Augenblick des günſtigen Angriffes entgegen ſahen, ich glaube, wenn ſie ein Schwein aus meinem Hauſe hätten laufen ſehen, das ſich durch die offene Thüre z⸗ fällig hinein verirrt hat, ſie hätten gleich behorptet:


