Eine Sterbeſcene.
Der Menſch, vom Weib geboren,
Iſt kurz von Zeit, von Unruh ſatt;
Wie eine Blume geht er auf und welkt; Fleucht wie ein Schatten und beſtehet nicht. Und auch auf ihn thuſt Deine Augen auf, Und mich führſt Du in's Gericht vor Dir?—
Buch„Hiob.“
Der Rabbi der Wiener⸗Neuſtädter Judengemeinde, Simon ben Mäir, lag auf dem Sterbebette; um ihn herum ſtanden die Aelteſten und die Gelehrteſten der Väter.
Es iſt einer der erſchütterndſten Augenblicke für den Menſchen, Jemanden ſterben zu ſehen, der hoch⸗ ſtehend durch Macht und Gewalt, emporragend durch Reichthum, oder ausgezeichnet durch Wiſſen und Geiſt iſt; es bleibt immer eine der größten Demüthigun⸗ gen unſeres Eigendünkels, unſerer erträumten Ueber⸗ macht, Glied der großen Kette brechen zu ſehen,


