Teil eines Werkes 
3. Bd. (1848)
Entstehung
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heit, und ſie ſah ſich wieder in Cirknitz Petruchio gegenüber, dann plötzlich Siegfrieden, dann in den Scenen auf dem Bierbaumer⸗Tabor, und jetzt hier; war es Reue, was in ihrem Herzen um ſich griff? Gewiß nicht; ſonſt hätte ſie fort müſſen, zu⸗ rückkehren nach Cirknitz, dem gekränkten Vater zu Füßen ſinken, und ſich dem Wurme gleich winden, bis er ihr mindeſtens einen Theil ihrer Schuld ver⸗ ziehen; nicht Reue alſo, ſondern Schaam, Kränkung, Verdeuß, Gier und Leidenſchaft, Leidenſchaft für Ei⸗ nen, der ſie zweimal verſchmäht hatte, und von dem ſie dennoch nicht laſſen wollte, dem ſie nachſtrebte mit allem Vermögen ihrer Seele, mit allen Kräften ihres Leibes. Nach Petruchio's letzter, gleichſam wie eine Frage an ſie gerichteten Rede, ſchwieg ſie

einige Augenblicke, dann ſagte ſie: Und was meinſt

Du, daß ich jetzt empfinde? Aufrichtig geſprochen lächelte der Italiener ſo glaube ich, Du hätteſt den Wunſch, mit mir zu ziehen und mir wieder anzugehören; denn junge Liebe

iſt gerade ſo wie junger Wein; wenn ſich auch Geiſt und Feuer verflüchtigen, ſo bleibt ein tüchtiger Bo⸗ ¹¹ denſatz zurück; Du fühlſt noch immer ſo eine kleine Neigung zu mir.

Walburga war nicht in der Lage, über die⸗

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ſes Gleichniß nachzudenken, oder ihr Inneres zu er⸗