5——— N
—
218
nach. Du hegſt kühne Wünſche, Bube! rief er ihm leiſe nach; ſäe nur fleißig, ich will ernten und dann den Säemann vernichten!
————
Der Kaiſer ſaß noch wach im Innerſten ſeiner Gemächer. Ein großarmiger Lehnſtuhl ſtützte die ma⸗ jeſtätiſche Geſtalt, in einem der beiden Seitenbacken ruhte das greiſe Haupt. Zwei vielarmige Leuchter ſtan⸗ den auf dem mit Sammt überzogenen Tiſche, Wachs⸗ kerzen brannten in denſelben, und verbreiteten eine ſtrahlende Helle. Der Kaiſer hatte ein einfaches Haus⸗ kleid von grüner Seide auf dem Leibe, die Linke ſtützte ſich auf den Arm des Stuhles, und die Rechte ruhte nachläſſig auf dem Tiſche. Der etwas düſtere Zug um ſeine Augen war zu einem ſanfteren, freund⸗ licheren verzogen, ſeine Miene drückte Wohlbehagen und Zufriedenheit aus. Die Urſache dieſer angenehmen Ge⸗ müthsſtimmung finden wir in dem an ſeiner Seite ſtzenden Sekretär Johann Stabius, welcher ein Pergament⸗Manuſcript in Händen, eben in demſel⸗ ben zu leſen im Begriffe iſt:
Theuerdank hin zur Königinn ging, Gar freundlich ſte ihn empfing,
*) Theuerdank, d. i. Einer, der auf Abentheuer denkt. So heißt das Epos, deſſen Held(Mar ſelbſt) von allegori⸗
*


