Teil eines Werkes 
1. Bd. (1848)
Entstehung
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204 ren Sitzen erhoben, und blickte mit Staunen und Theil⸗ nahme auf das Paar.

Da erdröhnte die donnernde Stimme des alten Grafen durch die Räume des Saals:

So biſt du in die Schlinge gefallen? elender Be⸗ trüger! haſt dich ſelbſt verrathen, heuchleriſcher Bube? den Lohn ſollſt du ernten! du haſt die Meinigen hinter⸗ gangen, den Ruf meines Hauſes geſchädigt, die Ehre der Meinen bemakelt, haſt gelogen und betrogen, da⸗ für laſſe ich dich im Angeſichte Aller, die durch deine Anweſenheit im Schloſſe betrogen wurden, bis vor das Weichbild des Dorfes mit Hunden hetzen, und dann möge dich der rächende Arm eines Andern ereilen.

Die ganze Geſellſchaft erſchrack ob der entehrenden Drohung, nur Franz von Naßenfuß ſah mit ſcha⸗ denfrohem Lächeln auf die Scene; er konnte ſein Ge⸗ fühl nicht verbergen, ſo ſehr er ſich auch Mühe gab, Theil⸗ nahme zu heucheln.

Siegfried, durch die donnernden Worte des Katzianers aus ſeinem Entzücken geriſſen, hatte ſich, den vorgefallenen Trug ahnend, hoch aufgerichtet, der Schre⸗ cken des Vorgefühls ſeiner Entehrung drang ihm wie ein zweiſchneidig Meſſer durchs Herz; Todtenbleiche

überzog ſein Antlitz, ſein Auge ſah glanzlos auf die Ver⸗

ſammlung, er begann das Haupt mechaniſch nach rück⸗ wärts zu neigen, jetzt war wieder die Todtenfarbe ſichtbar