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ſtillſtand eingetreten zu ſein ſchien; es war eine voll⸗ kommene Windſtille, eine Schwüle— wie ſie vor einem herannahenden Gewitter einzutreten pflegt.
Die Ankunft des alten Grafen konnte im ganzen Schloſſe Niemanden erwünſchter kommen, als dem Arzte, welcher nun einen ganz neuen Angriff auf Siegfried vorbereitete, einen Angriff, dem Jener nicht nur unterliegen, ſondern der ihn auch vollkommen demüthigen und vernichten ſollte. Die Grundſtütze dieſes Vornehmens wurde nun der alte Graf, von ihm konnte er viel mehr Strenge, kräftigere Unterſtützung erwarten, als früher von der ſchwachen Frau und den beiden Kindern, die zim ſchlimmſten Falle dem armen Jüngling noch zur Flucht behilflich geweſen wären; aber nun war der ehrgeitzige, familienſtolze Vater da; benützte er deſſen ſchwache Seiten, kam er dieſem mit den gewiſſen Nachrichten entgegen, ſo war Siegfried verloren. Freilich mußte er für den Augenblick min⸗ deſtens ſeine Abſichten auf Hemma aufgeben, allein dieſe beſchloß er erſt zu verfolgen, wenn Siegfried bereits das Schloß verlaſſen haben würde.
Graf Hanns Katzianer von Katzenſtein war für den Krieg gebildet und abgehärtet; ſchlicht und gerad, ohne Kniffe und Umtriebe, war er ein Todfeind jeder Verſtellung, und wenn ſie noch ſo un⸗ ſchuldiger Art ſein mochte; kam ſie ihm nun gar den Der Gezeichnete. I. 17


