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9 ruhig an ſeiner Seite blieb.— Sie hatte Geiſtesgegen⸗ wart genug, die Angekommene genau zu betrachten, deren Anblick eben ſo ſonderbar als ihr unerwartetes Erſcheinen war.
Ein dunkelrother Zeugmantel umfloß den langen hagern Leib, ſie hatte ſich ganz in das Kleid eingehüllt, und die Enden, da es überflüßige Weite hatte, nach wälſcher Weiſe umgeſchlagen; von den Füſſen waren nur die Spitzen ſichtbar, welche eine ſandalenartige Be⸗ kleidung bemerken ließen, das Haupt deckte ein ſchwarzer Muſchelhut, hinter welchem eine Fülle brauner Haare, ohne ſich zu ringeln, hinabfloß. Das Antlitz der Ange⸗ kommenen, länglich, mit ſcharf gezeichneten Zügen, ließ auf beiläufig vierzig Lebensjahre ſchließen, und die et⸗ was bräunliche Geſichtsfarbe mochte den Eindrücken der Jahreszeiten ihre Entſtehung verdankt haben. Schwarze Augen, deren ſtarre Blicke jeden zu durchbohren drohten, waren es vorzüglich, die dieſer Geſtalt ein unheimliches Anſehen gaben, welches Gefühl durch ein ungewöhn⸗ liches Benehmen noch mehr geſteigert wurde.
An der Seite der kranken Jungfrau angelangt, ſchlug die Erſcheinung den Mantel auseinander, ſo daß er nun in reichen Falten hinabfloß, und ſie ihre Hände frei hatte; dann ergriff ſie die Rechte des Mädchens, hielt ſie einige Augenblicke ſinnend umfaßt, ließ ſie wie⸗ der langſam auf die Decke nieder und wandte ſich zu


