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ſeines Schwagers, als ob das der Zweck ſeiner Reiſe geweſen— ein alltäglicher Beſuch und nicht der Sturm⸗ flug an das Lager einer Sterbenden, der er noch einmal ſagen wollte, wie tief, wie grenzenlos er ſie geliebt— geliebt bis zur Stunde.
Der Knabe hatte ſich auf den Teppich zu ihren Füßen gelagert und ſpielte mit einem prächtigen Holz⸗ pferde, das er ſich von der Ausfahrt heimgebracht. Es war ſtill geworden im Zimmer. Wie ſchon ein⸗ mal, hatte ſich die Stiftsdame zurückgezogen, die Bei⸗ den allein zu laſſen. Sie war unbeachtet verſchwun⸗ den wie damals— diesmal aber zur kechten Zeit.
„Und wie hat Ihnen das Bad gethan? Fühlen Sie noch Schmerzen in Ihrem Arme?...“ fragte Sittah.
„Ach, laſſen Sie uns nicht ſolche Fragen thun..“ rief Inderau, den Zwang mit einem Male entſchloſſen abſtreifend...„Es ſind andere Wunden, deren Schmerz wir empfinden und die wir uns mit aller er⸗ künſtelten Gleichgültigkeit doch nicht zu verhehlen
vermögen. Sittah...“ ſagte er nach einer klei⸗ nen Pauſe, ihre Hand ergreifend, die ſie ihm nicht entzog...„Was wollten Sie mir in Ihrer Krank⸗
heit ſchreiben?“ Sie ſchwieg und ſah dem Spiele des Kleinen zu.


