— 2
———— ——————
———
208
lag natürlich nicht in der Baronin Gewohnheit— ſchon lange auf dem Weg und mannigfach irregefahren ſein mußte. Er enthielt nur wenige Zeilen. Die Mit⸗ theilung, daß Sittah ſchwer erkrankt und für ihr Leben zu fürchten ſei, und daß ſie in ihren Delirien immer ſeinen Namen nenne, und auch in einem lichten Au⸗ genblicke an ihn zu ſchreiben verlangt habe, wozu ſie jedoch viel zu ſchwach geweſen.
Er ließ ſich nur ſo viel Zeit, die Erlaubniß zu ſeiner Abreiſe zu erbitten, und warf ſich ſofort in den Wagen, der ihn nach der nächſten Eiſenbahnſtation bringen ſollte. Tag und Nacht hatte er ſich keine Viertelſtunde Raſt gegönnt; die furchtbare Unruhe, die ſich ſeiner bemächtigt hatte, gewährte ihm nicht einmal die Erholung eines halben Schlummers während der Fahrt. War die Kranke noch am Leben, war ſie todt? Dieſe Frage ſchreckte ihn immer wieder auf. O was waren alle ſeine Erwägungen und Selbſtbetrachtungen, ſeine verſtändigen Beweisführungen? Wie Spreu zer⸗ ſtoben ſie jetzt, da er befürchten mußte, Diejenige, die er längſt ſchon verloren gegeben zu haben glaubte, in Wirklichkeit zu verlieren,— für immer und unwieder⸗ bringlich zu verlieren! Jetzt, da es vielleicht ſchon zu ſpät war, jetzt fiel es ihm ſchwer auf die Seele, ob es nicht beſſer geweſen wäre, warm und herzlich an


