Teil eines Werkes 
4. Bd. (1875)
Entstehung
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Sie war eine ungewöhnliche Erſcheinung, nicht über Mittelgröße, doch von ausnehmender Zierlichkeit des Baues und der Glieder. Das bläulich ſchwarze Haar und die großen Augen, die den Eindruck der⸗ ſelben Farbe machten, die in flachem Bogen dichtge⸗ wölbten Brauen und der leiſe Schatten auf der ein wenig emporgezogenen Lippe, welche eine dünne Linie weißen Schmelzes darunter mehr ahnen ließ, als zeigte, waren die charakteriſtiſchen Zierden einer ſüdlichen, faſt einer orientaliſchen Schönheit, doch ſtand dazu der wunderſam zarte Teint und die tadellos feinge⸗ formte, roſig geſchlitzte Naſe in entſchiedenem Wider⸗ ſpruche, wie auch in dem ganzen Ausdruck des Geſich tes ein eigenes Etwas lag, das die erſtere Annahme gar nicht aufkommen ließ.

Die Frau war nicht mehr ganz jung, doch hätte ihr wohl Niemand die nahenden Dreißig zugeſprochen, wäre nicht um ihre Mundwinkel ein Zug der Feſtig keit gelegen, der an den Schläfen und im Auge eine Ergänzung faſt bis zur Härte fand. Es war. als hätte dies Auge den Blick der Liebe, dieſer Mund das Lächeln nie gekannt oder für immer ver⸗ lernt.

Sie ſah nun auf ihr Kind, ſie ſah es geſund und heil, und mochte der Schreck ihr Herz auch ſtille

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