Teil eines Werkes 
5. Bd. (1871)
Entstehung
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15 einen ſolchen zu hegen?Man traut wohl Andern zu, weſſen man ſich ſelber ſchuldig weiß, raunte ihm eine Stimme zu ſie klang faſt wie jene Streicher's. Er be⸗ zwang das aufſteigende Gefühl, nahm neben Adrienne Platz und erzählte in kurzen Worten alles ſeit geſtern Morgen Vorgefallene, indem er natürlich allem Pein⸗ lichen ſorgfältig auswich und alle Motive zu Mr. Les⸗ ley's Flucht und Vorhaben in dem einen WorteSpleen zuſammenfaßte. Er hob hauptſächlich die für ihn ſelbſt vorgelegenen zwingenden Gründe hervor. Die Kälte und abweiſende Zurückhaltung, mit der Adrienne zu⸗ hörte, wollten ihm nicht gefallen; abgeſehen davon, daß ſich kein Mitgefühl für fremdes Leid bei ihr zeigte, konnte ſich Gerhard ſagen, daß er hier einer Natur gegenüberſtehe, die, zäh und nachtragend, nur ſchwer zum vollen, vorbehaltloſen Vergeben zu bewegen ſei. Verbindet ſich dieſe Eigenſchaft mit großer Strenge gegen ſich ſelbſt, mit Kraft und Charakterfeſtigkeit, ſo iſt ſie immerhin achtungswerth; wenn aber weibliche Güte und Weichheit einem Charakter fehlt, der ſelbſt der Nachſicht bedürftig iſt, ſo kann es vorkommen, daß ſie Urſache zur Verſtimmung bei demjenigen wird, ge⸗ gen den ſie ſich wendet, und aus ſolcher Verſtimmung erwächſt Trotz. Gerhard fragte ſich wiederholt im Stil⸗ len, wem denn eigentlich hier die Rolle des Gekränkten