207
wenn man in großer Toilette iſt, und ich tanze ſehr gern. Wir haben auch im Penſionat jeden Winter zwei Bälle gehabt, ich mußte oft den Herrn machen. Aber in Blankenburg würden vielleicht nicht einmal Bälle ſtattfinden?“
„Wenigſtens kaum ſolche, zu denen ich meine Frau führen möchte“, entgegnete Gerhard ein bischen kurz.
O, und an einem ſolchen Ort willſt Du, daß ich leben ſoll!“ beklagte ſich Adrienne lebhaft.„Kein Thea⸗ ter, keine Bälle, kein Umgang mit andern Menſchen, im dichten Wald abgeſchieden wie Einſiedler. Nein, nein, das kann Dein Ernſt nicht ſein. Da müßte man ja ſterben vor Langweile. Was ſoll mir der Gar⸗ ten und der Wald? Solch ein Aufenthalt iſt gut für ein paar Tage oder höchſtens Wochen im Sommer. Ich habe ganz andere Pläne gemacht und Du wirſt ſehen, wie glücklich wir leben werden.“
„So? Laß einmal hören!“ ſagte Gerhard in einem Ton, der ſcherzhaft ſein ſollte, aber doch etwas von der Ueberraſchung durchklingen ließ⸗ welche ſich ſeiner, aber nicht in erfreulicher Weiſe bemächtigt. Adrienne bemerkte im Eifer nichts davon, ihre Augen leuchteten ſo heiter und ihre Stimme klang ſo ſchmeichelnd, daß der ärgſte Brummbär von einem alten Ehemann ſich der Bezauberung nicht ganz hätte entziehen können,


