Teil eines Werkes 
3. Bd. (1865)
Entstehung
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ſehr wenig von dem Treiben der Parteien hier in Prag weiß.

Ja, Eure edle und geläuterte Seele ſteht über den Parteizwiſten, und doch ſeid Ihr ein echter Chriſt und ein gläubiger Proteſtant.

So hoffe ich, entgegnete Kepler mit Beſcheiden⸗ heit,aber erzählt mir, was von neuem geſchehen iſt das die von allen Theilen ſo heiß erſehnte Ruhe ſtört?

Darf ich, der Jude, Euch neben den Thatſachen auch meine Anſichten über dieſelben mittheilen?

Ich werde ſie nicht blos mit Aufmerkſamkeit, ſon⸗ dern mit aller Eurer Weisheit gebührenden Achtung an⸗ hören.

Es iſt eben nur die Anſicht eines Juden, mein Herr Magiſter, deſſen Väter, ſeit alters gedrückt und geknechtet, Fremde in allen Ländern Europas ſind. Seht, mein würdiger Freund, der blos Geduldete ſoll ſich

beſcheiden betragen in einem Hauſe, wo man ihm Schutz

und Obdach gibt. Wir, die Juden, zahlen unſere Ab⸗ gaben und Zölle und beſtreben uns, daß man unſer Da⸗ ſein womöglich vergeſſe; je weniger wir uns bemerkbar machen, deſto ſicherer ſitzen wir in den Räumen und en⸗ gen Straßen des Ghetto. Alſo, mein verehrter Herr Magiſter, meint nicht, daß ich, der verrufene, geſcholtene