Teil eines Werkes 
2. Bd. (1865)
Entstehung
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etwas wie Reue wegen ſeiner Treuloſigkeit gegen ſei⸗ nen ältern Bruder, der ihm ſtets nur Gutes erwieſen hatte, in ſeinem Herzen, aber er unterdrückte ſchnell dieſe weichen Regungen und ſagte, von ſeinem Seſſel aufſtehend:Gute Nacht, Khleſl! Es iſt ſpät geworden und wir beide müſſen morgen bereit ſein, dieſen Böhmen Rede zu ſtehen über Alles was, ſie uns fragen zu haben.

So ſchliefen denn die beiden Brüder, die einſt unter einem Mutterherzen dem Leben entgegengeträumt und deren erſtes Bewußtſein ihnen die Möglichkeit, Kronen zu tragen, vorgeführt hatte, an den entfernten Enden des ſtolzen Prag ein, Matthias mit dem Bewußtſein, den ältern Bruder, deſſen Vorrechte ſtets ſeinen Neid erregt, durch ſeine Klugheit beſiegt zu haben, Rudolf mit dem, daß der eherne Wille des Schickſals, das in den Sternen ihm vorausgeſagt war, nun wohl in Erfüllung zu gehen im Begriff ſei, und feſt entſchloſſen, den mörderiſchen Abſichten ſeines Bruders durch gänz⸗ liche Reſignation noch womöglich aus dem Wege zu gehen.

Als der Morgen des zweiten April erſchien, an dem die böhmiſchen Stände ſich nach ihrem Willen in dem Saale des Hradſchin einfanden, in dem ſeit Jahrhunderten ſchon ihre oft unruhigen Berathungen ge⸗