Erſtes Kapitel.
In einer Morgenſtunde des nächſten Tages, in einer ſolchen aber, die von allen andern Bewohnern Prags noch Nacht genannt wurde, denn es hatte eben zwei Uhr nach Mitternacht geſchlagen, ſaß Kaiſer Rudolf in dem ſeltſamen, wüſten Saale, den er ſein Arbeitsgemach zu nennen beliebt hatte, mit großem Eifer vor einem Zei⸗ chenbrete. Eine Bronzelampe von großer Schönheit, Ge⸗ ſchenk des ältern Herrn von Roſenberg und von dieſem einſt dem Kaiſer Max aus dem Orient mitgebracht, ſtand auf ſeinem Arbeitstiſche, und nur von ihrem Lichte war. das große Zimmer zweifelhaft erhellt, denn draußen lag noch die Winternacht unheimlich und düſter auf den feuch⸗ ten Straßen der Hauptſtadt.
Der Kaiſer hatte über ſeine wie immer höchſt nach— läſſig angelegte Kleidung einen koſtbaren Pelz geworfen, deſſen Futter aus Amerika von jenem vielgenann⸗ ten Vetter der Gräfin Polixena, Herrn Gonſalvo de
Burow, Johannes Kepler. Zweite Abtheilung. II. 1


